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Mittwoch, 25. Juni 2025



Von Acqui Terme nach Alassio

Seligkeit auf Rädern – auf der Straße nach Pian Soprano


Um kurz vor zwei fahren wir weiter Richtung Alassio. Es hat 33 °C. Trotz Hitze schnurrt der Motor unseres kleinen Pandas zuverlässig. Draußen knallt die Sonne herunter, aber die Klimaanlange sorgt für eine angenehme Temperatur. Susanne hat eine Hollies-CD eingelegt. „Sometimes, all I need is the air that I breathe and to love you. All I need is the air that I breathe …“. Zwei Zeilen, die reichen, um meine Augen zu verwässern… Nicht wegen der Hitze, nicht wegen der Straße. In diesem Moment weiß ich: Alles, was ich brauche, sitzt neben mir – und fährt mit mir durch die flirrende Hitze Italiens. Manchmal ist das Leben genau das: ein alter Song, ein kleiner Panda, und ein Mensch, der bleibt.

Die Landschaft wechselt von lieblich zu spektakulär: Hügel, Weinreben, flaschengrüne Fensterläden, kleine Gärten mit Zitronenbäumen. Die Hollies liefern den Soundtrack zum Glück. Ich klopfe aufs Lenkrad, Susanne summt mit. Jeder Kilometer ist ein Versprechen, jede Kurve ein kleines Abenteuer.

Die Orte ziehen vorbei wie auf einer alten Kinorolle: Terzo, Bistagno, Spigno Monferrato, Merana, Pontevecchio, Rocheta Cairo und Carcare, Pallare liegen schon lang hinter uns. Die Straße windet sich durch das ligurische Hinterland, der Panda nimmt jede Steigung mit Würde. Wir sind mittlerweile 75 Minuten unterwegs seit Acqui Terme und inzwischen in Piano Sottano. Die Hollies-CD ist schon zwei Mal durchgelaufen und ich hab einen Ohrwurm:

„Cast your spell upon me one more time. I wanna feel your magic woman touch“, sinngemäß etwaVerzauber‘ mich noch mal – ich will sie einfach spüren, deine magische Berührung“. Irgendwie spüre ich diesen „Touch“ auch tatsächlich. Besser als jetzt kann ein Fährtle mit Susanne gar nicht mehr sein.

Abgewürgt


Die Straße wird schmaler, links ein illy-Geschäft – und dann: Bämm! In einer Rechtskurve im 150-Einwohner-Dörfchen Pian Soprano, 50 Kilometer vor Alassio, „Chiusa!“ Ohne jegliche Vorwarnung ist die Straße einfach „chiusa“ – gesperrt. Ein brutaler Realitätsschock während ich bis eben noch im Liebeshimmel schwelgte.

Ich denke kurz drüber nach, einfach weiterzufahren. Wirklich nur ganz kurz, aber hier gibt es überall „Telecamere di sorveglianza“ (Überwachungskameras). Uns bleibt nichts anderes übrig, als zu schlucken, umzudrehen und nach einem Plan B zu suchen. Das ist Italien. Wer da nicht improvisieren kann, hat verloren.

Hilflos irren wir durch die ligurischen Hügelwelt, so als wären wir Teil des B-Movie-Films: „Der Panda und die Sackgasse“. Navi? Hilflos. Ausschilderung? Fehlanzeige. Was bleibt, ist pure Improvisation. Nach ratlosem Suchen spuckt uns das Schicksal schließlich an der Mautstelle Altare – Carcare aus.

Nachtrag
Zu Hause hab ich dann recherchiert und auf der Seite der Gemeinde Bormia gefunden, dass die SP 15 (Strada del Melgno) laut Anordnung der Ordinanza n. 33 der Gemeindeverwaltung von Bormida, Registernummer 237 des Jahres 2025 – nicht gestern, nicht morgen und auch sonst nicht – sondern genau jetzt zwischen 14:00 und 18:00 Uhr gesperrt sei. Grund dafür waren angeblich Wartungs- oder Bauarbeiten an diesem Abschnitt der Straße. 

Im Schatten der Autobahn-Tyrannen


Yes! Endlich eine Autobahnauffahrt. Vielleicht kommen wir heute ja doch noch nach Alassio. Aber, wie heißt es so schön? „Vom Regen in die Traufe“. Denn auch auf der Autobahn totales Chaos. Baustellen ohne Ende, Apokalypse auf vier Spuren. Überall Barken, Leitlinien, verengte Fahrbahnen. Und – Könige der Straße – oder eher: Tyrannen der Autobahn: italienische Lkw-Fahrer.

Drei Meter Abstand, wenn überhaupt – und wenn sie merken, dass du nicht sofort verschwindest, kommt erst die Lichthupe, dann das Signalhorn und schließlich dieses infernalisch drohende „Ich-könnte-dich-zerquetschen,-kleiner-Panda-Grinsen“. Ja, ich glaube, die meinen das tatsächlich so.

Trotz Ritt auf einer Rasierklinge versuchen wir die Nerven zu behalten. Zwölf Kilometer noch müssen wir durchhalten. Dann endlich: Um halb fünf fahren wir in Albenga raus. Bis hierher mussten wir 6,90 € Maut zahlen.

Alassio, trotz allem


Nach einer weiteren halben Stunde kommen wir um fünf in Alassio an, wo wir den Panda an einem Parcheggio abstellen. Bevor wir aussteigen, muss ich aber erst mal runterkommen. Um halb vier standen wir noch an der Straße südlich von Pian Soprano, die ohne jede Umleitung, ohne Beschilderung und ohne Rücksicht auf Durchreisende einfach mal so gesperrt wurde, zwischen 14:00 und 18:00 Uhr. Während Ortskundige genau Bescheid wussten, wurden Touristen wie Deppen behandelt – mit dem Effekt, dass man plötzlich doppelt so weit fahren musste, wie ursprünglich geplant, unzählige Baustellen hatte, gefährliche LKW-Manöver und völlig unnötigen Stress. Schlussendlich musste man auch noch 6,90 € Maut berappen.

Hätten wir, wie wir es vorhatten, über ruhige Landstraßen fahren können, wären wir jetzt es ist 17:00 Uhr – auch in Alassio angekommen. Wegen der Sperre mussten wir statt 44 Kilometer aber eine Strecke von 82,5 Kilometer fahren, über hektische, teils gefährliche Autobahnen mit Lkw-Wahnsinn, Baustellenchaos und dem Gefühl, einfach nur ein dummer Tourist zu sein, der zahlen und schlucken soll.

Dass so etwas 2025 in einem zivilisierten Land noch passiert – ohne digitale Hinweise aufs Navi, ohne einfaches Warnschild rechtzeitig vor der Sperrung – ist nicht zu fassen. Statt Verkehrsfluss zu lenken, wird Chaos produziert. Und als ob das nicht reicht, wird man auch noch gezwungen, eine kostenpflichtige Autobahn zu nehmen. Raffinierte Abzocke oder einfach nur Behördenversagen?

So, jetzt ist es raus und ich fühl mich deutlich wohler. Jetzt sind wir da, in Alassio. Und wenn es einen Ort gibt, der mich jetzt wieder beruhigen kann – dann vielleicht dieser, irgendwo am Meer in einer kleinen Pizzeria…

Reset


Vom Parkplatz die Piazza Tommaso e Elena Paccini runter sind es nur knapp 100 Meter. Am Ende der Straße dann ein Olivenbaum, rechts davon eine Palme und dahinter das Meer – wie eine Belohnung für all den Ärger. Endlich sind wir wirklich angekommen.

Wir gehen links die Via Vittorio Veneta rein, klingt fast wie ’ne Hauptstraße, ist aber eher so ein charmantes, kleines Gässchen. Hier, mitten im gemächlichen Treiben von Alassio gibt es eine Pizzeria al taglio, die „Tomato Pizza“. Diese habe ich bereits zu Hause per Google-Maps gefunden.

Die Koordinaten stimmen: 44.005717, 8.172018 – und ein echter Geheimtipp! Hier – und jetzt halt dich fest – bekommt man für wenig Geld (3,50 € – und das in einem Touristenort!) diese perfekten, rechteckigen Pizzastücke – frisch, heiß, würzig, zum Mitnehmen oder eben direkt in die Hand.

Kein teurer Touri-Schick, sondern echte, ehrliche Pizza, die schmeckt – wie der Sommer selbst.

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